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Richard Euringer
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Richard Euringer (* 4. April 1891 in Augsburg; â 29. August 1953 in Essen) war ein deutscher Schriftsteller, der sich dem Nationalsozialismus anschloss. Er schrieb ab 1950 auch unter dem Pseudonym Florian Ammer.
Contents
⢠Leben
⢠Ehrung
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Leben
Nach dem Besuch der Benediktinerabtei St. Stephan in Augsburg und dem Abitur wurde Euringer Offiziersanwärter in der Bayerischen Armee. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich zur Fliegertruppe und wurde an der Westfront und mit dem Asien-Korps in Kleinasien sowie auf dem Sinai eingesetzt. 1917 wurde er zum Leiter der Fliegerschule 4 auf dem Lechfeld bei Augsburg ernannt.cite-ref-klwi-1-0[1]
Das Ende des Krieges und die Novemberrevolution beschrieb er 1933 aus einer elitären Perspektive als Reduzierung der deutschen BevĂślkerung auf eine amorphe âMasseâ und âMenschenbreiâ, dem er die âewigen Krieger des GroĂen Kriegesâ gegenĂźberstellte, zu denen er sich zählte. Er leugnete die militärische Niederlage als âdie infamste LĂźgeâ und vertrat die âDolchstoĂlegendeâ. Er sei nun Dichter geworden, da er nicht mehr Soldat habe sein kĂśnnen.cite-ref-klwi-1-1[1]
Nach dem Krieg begann er ein Studium der Kunstgeschichte und Volkswirtschaft in MĂźnchen, verlor aber aufgrund der Inflation sein VermĂśgen und musste daher das Studium abbrechen. AnschlieĂend schlug sich Euringer in mehreren Berufen durch, unter anderem als Arbeiter in einem Sägewerk und als Banklehrling. Seit Mitte der 1920er Jahre lebte er im westfälischen Stadtlohn, dem Geburtsort seiner Frau. Euringer schloss sich frĂźh der NS-Bewegung an. Er war MitbegrĂźnder des rechten, wenngleich parteimäĂig nicht gebundenen âNationalverbands deutscher Schriftstellerâ und seit 1931 dessen âFĂźhrerâ.cite-ref-klwi-1-2[1] Er schrieb seit 1931 als kulturpolitischer Mitarbeiter fĂźr den VĂślkischen Beobachter, fĂźr die Essener National-Zeitung und zahlreiche andere NS-Blätter. 1932/33 begann er eine Mitarbeit an Wilhelm Stapels Zeitschrift Deutsches Volkstum.cite-ref-lwl-2-0[2] FĂśrmlich trat er der NSDAP erst zum 1. März 1933 bei (Mitgliedsnummer 1.536.074).cite-ref-3[3]cite-ref-4[4] Er unterstĂźtzte die NSDAP auch in den Wahlkämpfen spätestens am Ende der Weimarer Republik.cite-ref-klwi-1-3[1] Zur MachtĂźbergabe an die NSDAP und ihre deutschnationalen BĂźndnispartner hielt er im April 1933 in Stadtlohn in der SchĂźtzenhalle einen programmatischen Vortrag. Er hatte den Titel âDas ist er: der FĂźhrerâ.cite-ref-5[5] 1934 urteilt das Parteiblatt der Essener NSDAP, Euringer sei ânicht Dichter, nicht Schriftsteller, ... auch nicht âHerrâ Euringer, er ist seinem Wesen nach so sehr Nationalsozialist, daĂ auch das Pg vor seinem Namen ĂźberflĂźssig istâ.cite-ref-6[6]
Euringers erste Schritte in der Rolle des Schriftstellers misslangen. Sein StĂźck Der neue Midas (1920) âwurde verlachtâ. Lion Feuchtwanger lobte die Disziplin des Publikums, weil es nicht mit Stinkbomben auf die âungewollte und ungekonnte deutschvĂślkische Faust-Parodieâ reagiert habe. Ein Genre-Wechsel vom Dramatiker zum Erzähler blieb ebenfalls lange ohne positive Resonanz. Erst 1929 kam es mit der Erlebnisschrift Fliegerschule 4. Buch der Mannschaft zu einem âAchtungserfolgâ in gleichgestimmten ânationalen Kreisenâ.cite-ref-klwi-1-4[1] Es hieĂ von dieser Seite, das Buch sei ein âProtest soldatischer Zucht gegen Zersetzung und Pazifismusâ.cite-ref-7[7] An diesen Erfolg konnte er 1930 mit dem Roman Die Arbeitslosen anknĂźpfen, geschrieben als âAbrechnung mit dem 'Sumpf' der Weimarer Republikâ und aus dem âHaĂ auf den demokratischen Staatâ (Hillesheim).cite-ref-8[8] Die Schrift wurde sowohl von Nationalsozialisten gelobt wie auch von dem katholischen Publizisten und Jesuiten Friedrich Muckermann und dem Schriftsteller Josef Winckler. Muckermann, später NS-Gegner, sah allerdings noch 1932 einen âguten Kernâ des Nationalsozialismus, der fortzuentwickeln sei.cite-ref-9[9] Winckler gehĂśrte zu jenen Verfassern, die â anders als die verfemten Heinrich und Thomas Mann oder Bertolt Brecht â nach 1933 in den nationalsozialistisch autorisierten deutschen Literaturkanon aufgenommen wurden.cite-ref-10[10] Die sozialdemokratische Rezensionszeitschrift Die BĂźcherwarte sah 1931 dagegen in der LektĂźre angesichts einer âunerträglichen Gemengelageâ von Ideologie und Selbstberauschung âeine Torturâ.cite-ref-klwi-1-5[1] Nach 1933 wurde das Buch mehrfach neu aufgelegt.
Nach der MachtĂźbergabe entstanden Euringers Hauptwerke. 1933 erschien sein Thingspiel Deutsche Passion, das von Goebbels mit dem erstmals verliehenen Nationalpreis ausgezeichnet wurde. Es âvereint als politisches PropagandastĂźck in sich beinahe alle Topoi nationalsozialistischer Dichtungâ.cite-ref-lwl2-11-0[11] Hitler wird darin als Messias des deutschen Volkes verherrlicht, der die angeblich dekadente Welt der Weimarer Republik moralisch reinigt.cite-ref-12[12] In demselben Jahr wurde der âbis dahin fast erfolglose Dichterâ ohne eine entsprechende berufliche Qualifikation âals Dank fĂźr seine damals schon Jahre währende treue Anhängerschaftâ zu seiner Partei zum Direktor der Städtischen BĂźchereien in Essen ernannt.cite-ref-lwl-2-1[2] Hier sorgte er fĂźr die Aussonderung von 11.000 Bänden, die nicht der NS-Ideologie entsprachen und von denen ein Teil Ăśffentlich verbrannt wurde. Euringer feuerte die Verbrennung an mit den Worten: âDieses Geschreibsel wird heute in Flammen aufgehen. Das ist schĂśn, symbolisch, bildhaft.â Im Oktober 1933 gehĂśrte er zu den 88 deutschen Schriftstellern, die das GelĂśbnis treuester Gefolgschaft fĂźr Adolf Hitler unterschrieben hatten.cite-ref-13[13] 1934 wurde er Mitglied im Verwaltungsbeirat der Reichsschrifttums- und der Reichsrundfunkkammer. 1935 wurde er zum Reichskultursenator ernannt. Seit 1936 arbeitete er als freier Schriftsteller.
Im Zweiten Weltkrieg fand Euringer Verwendung als Major im Jagdgeschwader Richthofen und als Generalstabsoffizier in einer kriegsgeschichtlichen Abteilung. Die so zustande gekommenen Aufzeichnungen erschienen 1941 in Leipzig unter dem Titel Als Flieger in zwei Kriegen. Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde er von der US-Militärregierung als NS-belastet festgenommen und interniert, worĂźber er in seinem Buch Die Sargbreite Leben (Hamm 1952) schrieb. Es handelte sich dabei um eine Anklage gegen die US-Militärregierung und um eine Rechtfertigungsschrift, in der er nicht nur seine, sondern auch die Handlungsweise seines âFĂźhrersâ legitimierte: âHitler wollte den Millionen Arbeitslosen Arbeit, den Millionen Obdachlosen eine anständige Wohnung schaffen. Er wollte das Reich aus der Versailler Knechtschaft befreien. Durch VolksfleiĂ, durch Leistungen, Arbeit, Verhandlungen, Olympiaden, Bluff. Er hoffte auf die Vernunft der VĂślker. Er streckte eindeutig England die Hand hin...âcite-ref-14[14] Sein Biograf Klaus Wisotzky kommt zu dem Schluss, es handle sich um âein unsägliches Buch voller Selbstmitleidâ. Dem âandauernden Gejammere Ăźber die Haftbedingungenâ seien jene Erfahrungen gegenĂźberzustellen, âdie sowjetische Kriegsgefangene in Deutschlandâ machten. Insofern seien Euringers Haftbedingungen âals einigermaĂen erträglich zu bezeichnenâ.cite-ref-klwi-1-6[1]
Im Entnazifizierungsverfahren wurde Euringer in die Kategorie IV (ohne politische, räumliche und finanzielle Beschränkungen) der sogenannten Mitläufer eingestuft. Der Essener Ausschuss kam auf der Basis von Euringers Selbstaussagen und von ihm vorgelegter Entlastungserklärungen (âPersilscheineâ) zu dem wohlwollenden Fazit, Euringer sei zwar Ăźberzeugter Nationalsozialist gewesen und habe sich fĂźr den Nationalsozialismus eingesetzt, âjedoch in menschlicher und loyaler sowie edeldenkender Art.â Er sei weder Propagandist noch Aktivist noch Militarist gewesen.cite-ref-klwi-1-7[1]
In der Sowjetischen Besatzungszone und anschlieĂend in der Deutschen Demokratischen Republik wurden seine Schriften auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.cite-ref-15[15]
In Bewertung seines Werks kam JĂźrgen Hillesheim 1995 zu der Feststellung, dass Euringer âeiner der fanatischsten und rĂźckhaltlosesten Hitler-Verehrer und somit einer der Hauptverantwortlichen fĂźr den Hitler-Kult auf literarischer Ebeneâ gewesen sei. Seine Biografie sei âexemplarisch fĂźr den vieler NS-Dichter. Nicht nur die Betrachtung seiner Werke zeigt, daĂ sein literarischer Erfolg fast ausschlieĂlich seinem politischen Engagement zu verdanken war; auch der Vergleich mit einer groĂen Zahl von nationalsozialistischen Schriftstellern, deren Leben in wesentlichen Punkten und Stationen sehr ähnlich verlief, verdeutlicht, daĂ es sich bei Euringer eher um eine Zeiterscheinung, einen Typus, handelt, als um eine KĂźnstlerpersĂśnlichkeit, die sich unter anderem durch Individualität und ein schĂśpferisches Talent auszeichnet.âcite-ref-lwl2-11-1[11]
Ehrung
Schriften (Auswahl)
⢠Der neue Midas, 1920
⢠Tummelpack. Ein ganzes Buch Geschichten, 1920
⢠Im Graben blßhte LÜwenzahn, 1920
⢠Mata, 1920
⢠Das Kreuz im Kreise, 1921
⢠Pinkepottel und die Seinen. Einzig beglaubigter Bericht ßber die internationale Expedition zum Nordpol 1921/22, 1922
⢠Vagel Bunt, das ist 50 herzhafte Schwänke, 1923
⢠Gleichnis der Zeit. Besinnliche Geschichten, 1923
⢠Pan und die Fliege. Kribblige Geschichten, 1923
⢠Die Arbeitslosen. Roman aus der Gegenwart, Langen Mßller, Mßnchen 1930; neu herausgegeben als Metallarbeiter Vonholt. Der Tag eines Arbeitswilligen. Roman, Deutsche Hausbßcherei, Bd. 4, Hamburg 1932
⢠Der deutsche GÜrres, 1932
⢠Fliegerschule 4. Buch der Mannschaft, 1929
⢠Die Jobsiade. Ein Luder-, Lust- u. Laienspiel nach des unsterblichen Dr. Kortum komischem Heldengedicht fßr den vÜlkischen Funk erneuert, 1933
⢠Deutsche Passion 1933. HÜrwerk in 6 Sätzen, 1933
⢠Drei alte deutsche Reichsstädte. Rothenburg, Dinkelsbßhl, NÜrdlingen, 1933
⢠Schlachtruf der Jugend, 1934
⢠Ludwigslegende aus hundert Jahren Anarchie, 1935
⢠Die Fßrsten fallen. Roman aus 200 Jahren Anarchie, 1935
⢠Dietrich Eckart. Leben eines deutschen Dichters 1935
⢠Fahrten und Fernen. Landschaften, 1936
⢠Chronik einer deutschen Wandlung. 1925â1935, 1936
⢠Ăhme ĂrgelkĂśsters Kindheit. Neun Kapitel einer Erzählung, 1936
⢠Vortrupp âPaschaâ. Roman der ersten Expedition deutscher Flieger in die WĂźste, 1937
⢠Der Zug durch die Wßste. Roman der ersten Expedition deutscher Flieger durch die Wßste, 1938
⢠Reise zu den Demokraten. Ein Graubßndner Tagebuch, 1937
⢠Die letzte Mßhle. Westfälische Geschichten, 1939
⢠Der Serasker. Envers Ende. Irrfahrt und Kampf eines kßhnen Tßrken. Roman, 1942
⢠Aphorismen, 1943
⢠(als Florian Ammer): Durch Himmel und HÜlle. Die gÜttlichen Abenteuer des jungen Dante, Herder, Freiburg 1950 & 1951 (2 Bände)
⢠Die Verliebten. Nur eine Liebesgeschichte, 1951
⢠(Florian Ammer): Die Nachtwachen des Don Pedro Calderón de la Barca. Ein Vermächtnis, Herder, Freiburg 1952, 2. Aufl. 1954
⢠Die Sargbreite Leben. Wir sind Internierte, Hamm 1952
⢠Die Weltreise des Marco Polo, Stuttgart 1953
⢠Der Soldat und der Friede. Besinnung und Anruf, Bielefeld/Bad Godesberg 1954
Literatur
⢠JĂźrgen Hillesheim: âHeil dir FĂźhrer! FĂźhr uns an!â ⌠Der Augsburger Dichter Richard Euringer. KĂśnigshausen u. Neumann, WĂźrzburg 1995, ISBN 3-88479-859-6.
⢠Johannes M. Reichl: Das Thingspiel. Ăber den Versuch eines nationalsozialistischen LehrstĂźck-Theaters (Euringer - Heynicke - MĂśller). Mit einem Anhang Ăźber Bert Brecht. MiĂlbeck, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-926086-20-3.
⢠Klaus Wisotzky: Richard Euringer. NS-Literat und Leiter der Essener StadtbĂźcherei. In: Essener Beiträge. 112 (2000), S. 128â151.
⢠Klaus Wisotzky: Im Dienste der NS-Ideologie â Die StadtbĂźcherei in den Jahren 1933 bis 1945. In: Der SchlĂźssel zur Welt. 100 Jahre Stadtbibliothek Essen. Hrsg. v. Reinhard Brenner u. Klaus Wisotzky. Klartext, Essen 2002 (= VerĂśffentlichungen des Stadtarchivs Essen; 5), ISBN 3-89861-105-1.
Weblinks
⢠Literatur von und ßber Richard Euringer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Richard Euringer im Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren
⢠Kurzbiografie zu Richard Euringer
Einzelnachweise
cite-note-klwi-11. â Klaus Wisotzky: Richard Euringer. NS-Literat und Leiter der Essener StadtbĂźcherei. In: Essener Beiträge. 112 (2000), S. 128â151.
cite-note-lwl-22. â Richard Euringer im Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren
cite-note-33. â Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/8161300
cite-note-44. â So ausweislich der Angaben der Parteikartei im Bundesarchiv und auch der Entnazifizierungsakte, siehe: Klaus Wisotzky, Richard Euringer. NS-Literat und Leiter der Essener StadtbĂźcherei. In: Essener Beiträge, 112 (2000), S. 128â151, hier: S. 134.
cite-note-55. â Thorsten Ohm: Ernst Dertmann forscht zu Richard Euringer In: MĂźnsterlandzeitung. 30. Oktober 2009.
cite-note-66. â National-Zeitung, 2. Mai 1934, zit. nach: Klaus Wisotzky: Richard Euringer. NS-Literat und Leiter der Essener StadtbĂźcherei. In: Essener Beiträge. 112 (2000), S. 128â151, hier: S. 148.
cite-note-77. â Biografische Notiz, in: Richard Euringer, Ludwigslegende, Hamburg o. J., S. 340f.
cite-note-88. â JĂźrgen Hillesheim, âHeil dir FĂźhrer! FĂźhr' uns an! ...â Der Augsburger Dichter Richard Euringer, WĂźrzburg 1995, S. 41.
cite-note-99. â Guenter Lewy, The Catholic Church And Nazi Germany, Boston (USA) 2000, S. 17.
cite-note-1010. â Karl-Heinz Schoeps, Literature and Film in the Third Reich, Rochester (USA) 2004, S. 47.
cite-note-lwl2-1111. â JĂźrgen Hillesheim: âHeil dir FĂźhrer! FĂźhr uns an!â ⌠Der Augsburger Dichter Richard Euringer. WĂźrzburg 1995, zit. nach Richard Euringer im Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren
cite-note-1212. â Joachim Fest: Hitler. Eine Biographie. Spiegel, Hamburg, ISBN 978-3-87763-031-0, S. 682.
cite-note-1313. â Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 143.
cite-note-1414. â Kriegsgeschichte: Eine Sargbreite Leben. In: Der Spiegel. 4. Februar 1953, S. 33.
cite-note-1515. â siehe [1], [2], [3].